Atlas der Schweizer Kinderliteratur

<< Klicken: Inhaltsverzeichnis >>

Navigation:  Die Bilderbücher > A >

Atlas der Schweizer Kinderliteratur

atlasch

Expeditionen und Panoramen

Hrsg

Schweizerisches Institut für Kinder-und Jugendmedien SIKJM

Text & Bild

s. unten: Inhalt

Verlag

Chronos Zürich

Jahr

2018

Schlüsselwörter

1-Sammlungen, Schweiz, Genderwahn

Zwei Dinge fallen an diesem schön gestalteten, ja durchgestylten, Buch auf: Der falsche Titel und das inständige Bemühen um korrekte, zeitgemässe Bezeichnung aller Akteure.

Zum falschen Titel: «Die Schweizer Kinderliteratur» gibt es so wenig wie  «Die Schweizer Literatur». Um ein paar prominente Beispiele zu nennen: Gottfried Kellers Sinngedicht ist sowenig «Schweizer Literatur» wie Max Frischs Andorra; und nur weil Hermann Hesse Schweizer Bürger geworden ist und jahrelang im Tessin gewohnt hat, sind seine Werke ganz bestimmt nicht zu «Schweizer Literatur» geworden – warum sollte das bei der Kinderliteratur anders sein? «Atlas der Kinderliteratur in der Schweiz» wäre wohl angemessener, auch wenn das Ganze von einem schweizerischen Institut produziert worden ist.

Die Herausgeber / Autoren oder eine Achtsamkeits-Redaktion haben offensichtlich viel Wert auf «geschlechter-korrekte» Formen gelegt: wenn Autoren, Leser, Illustratoren als Begriff oder Gattung auftauchen werden sie auf diesen Seiten niemals allein gelassen, nicht einmal den Protagonisten und Migranten ist das vergönnt; unvermeidlich und geradezu zwanghaft werden sie alle von  Innen oder «und …innen» begleitet. Wir haben so die Gewissheit, dass die Beiträger es gut meinen, mögen sie der Leserschaft auch auf die Nerven gehen.  Aber wie jedes menschliche Streben nach Perfektion ist auch dieses hier vom Scheitern begleitet, so gibt es doch tatsächlich Titel wie ‹Klassiker der Weltliteratur› (S. 120) oder ‹Wandern mit Zwergen› (S. 140), ja es gibt sogar ‹Lehrer-Schüler-Verhältnisse› (S. 202) – Frauen kommen da für die VerfasserInnen offenbar nicht vor, oder wie im letzten Fall erst später, wo dann aus diesen patriarchalisch konnotierten Beziehungen «Verhältnisse zwischen Lehrpersonen und SchülerInnen» werden, wie es sich für eine Verlautbarung aus der Erziehungsdirektion gehört.

Ich bin jetzt gespannt, wie sich dieser penetrante Trend weiter entwickeln wird. In Zeiten, wo der Ruf nach einem Tieranwalt erschallt dauert es z.B. beim Schreiben über Kinderliteratur sicher nicht mehr lange, bis die LebensabschnittspartnerInnen von Hasen und Füchsen, Bären und Eseln nicht mehr einfach nur mitgemeint sind, damit ums Himmels Willen nicht patriarchalische Strukturen zementiert werden.

Im Übrigen ist das Buch aber sehr sorgfältig gemacht und die Artikel geben eine guten Eindruck darüber, wie heute über die Kinderliteratur in der Schweiz gesprochen bzw. geschrieben wird – und an den Illustrationen des Bandes geht all mein Gemecker ohnehin vorbei.

 

Inhalt

8 Vorwort

12 Schauplatz Schweiz
Verortete Geschichten von Turbenthal bis Meyrin
Elisabeth Eggenberger — Text
Laura Jurt — Illustration

24 Ausgedachte Wirklichkeiten
Reisen ins Fantastische
Christine Lötscher — Text
Francesca Sanna — Illustration

36 Grosse Gefühle
Eine Reise durch die kinderliterarische Welt der Emotionen
Bruno Blume — Text
Jacky Gleich — Illustration

46 Tell aktuell
Historische Mythen und nationale Mystifikationen in der Kinder- und Jugendliteratur
Jakob Tanner — Text
It’s Raining Elephants — Illustration

58 Möglichkeitsnischen im Mittelland
Von der Veränderung der Landschaft in der Kinder und Jugendliteratur
Andreas Bäumler & Barbara Piatti — Text
Albertine — Illustration

Albertine

Albertine

68 Im Lallall: Sprach- und Denkspiele
Wie Kinderliteratur unsere Weltwahrnehmung und Sprache erweitert
Stefan Zweifel — Text
Béatrice Poncelet — Illustration

80 Emanzipation in der Fremde
Federica de Cescos weibliche Abenteuerwelten
Manuela Kalbermatten — Text
Emmanuelle Houdart — Illustration

90 Orte der Schönheit und Gefährdung
Wie die Berge ins Schweizer Kinderbuch kommen
Ingrid Tomkowiak — Text
Vera Eggermann — Illustration

100 Dem Verbrechen auf der Spur
Kriminalgeschichten aus der deutschsprachigen Schweiz
Gudrun Stenzel — Text
Jürg Obrist — Illustration

Jürg Obrist

Jürg Obrist

110 Eine derart schöne und saftige Sprache
Vom Umgang mit der Mundart in Texten für Kinder
Beat Mazenauer — Text
Anna Luchs — Illustration

120 Die Reinkarnierten
Klassiker der Weltliteratur neu ins Bild gerückt
Deborah Keller — Text
Hannes Binder — Illustration

132 Bestiarium helveticum
Eine fast empirische Studie zum Tier im Bilderbuch
Franz Lettner — Text
Adrienne Barman — Illustration

140 Wandern mit Zwergen
Die touristische Nutzung von Kinderbüchern
Thomas Barfuss & Patrizia Paravicini — Text
Doris Lecher — Illustration

150 Eindringlinge, Ausgeburten,
Andersweltbewohner
Begegnungen mit dem Fremden in nicht (ganz) realistischen Erzählungen für Kinder
Gina Weinkauff — Text
Kathrin Schärer — Illustration

162 Heidis Wanderjahre 2.0
Medienaspekte einer literarischen Alpenreferenz
Heidi Lexe — Text
Tom Tirabosco — Illustration

170 Weggehen, ankommen, bleiben
Geschichten von Migration und Identität
Roger Meyer — Text
Nadine Spengler — Illustration

180 Grenzenlos!
Die Unentbehrlichkeit des Übersetzens
Irene Weber Henking & Daniel Rothenbühler — Text
Catherine Louis — Illustration

190 Von Schlupfwinkeln und Fantasieräumen
Kinderwelten im Bilderbuch
Gundel Mattenklott — Text
Claudia de Weck — Illustration

202 «Sie sind doch kein Mann, Sie sind ein Lehrer!»
Lehrer-Schüler-Verhältnisse einst und heute
Christine Tresch — Text
Käthi Bhend — Illustration

Käthi Bhend

Käthi Bhend

212 Zwischen Sonntagsreden und Alltagswirklichkeit
Kinderbuchszene Schweiz: schreiben, illustrieren und verlegen
Hans ten Doornkaat — Text
Anna Sommer — Illustration

226 Literaturverzeichnis

238 Kurzbiografien

242 Register

Zuletzt geändert am 24.04.2022