Verstopft

Samuel Pepys

5.10.1663
Mit Schmerzen aufgestanden.

6.10.1663
große Magenschmerzen, Schwierigkeiten beim Furzen und Wasserlassen.

7.10.1663
Spürte am Morgen die Wirkung von Mr. Holliers Pillen und blieb im Bett. Die Schmerzen hielten aber weiter an, so daß ich den ganzen Tag im Haus blieb und trotz des Abführmittels weder Wind ablassen konnte noch Stuhlgang hatte. Am Abend fuhr ich mit der Kutsche zu Mr. Hollier, traf ihn aber nicht an und fuhr gleich wieder nach Hause. Vielleicht war es der Kutschfahrt zu danken, aber als ich zu Hause vor dem Kaminfeuer saß, ließ ich sechs oder sieben kleine und größere Fürze. Legte mich sogleich ins Bett und hatte eine ruhige Nacht.

8.10.1663
Am Morgen prächtig Wasser gelassen, doch meldeten sich anders als sonst, wenn ich einmal damit angefangen hatte, keine weiteren Fürze noch regte sich irgendein Stuhl. Warm eingepackt ging ich ins Büro, doch setzten zu Mittag die Schmerzen wieder ein, da ich nicht furzen und nicht scheißen konnte. Also erneut zu Mr. Hollier, der mir versicherte, es habe nichts mit meinem Blasenstein zu tun, sondern liege allein an meiner Neigung zur Verstopfung und weil ich noch immer keinen Stuhlgang hatte und keinen Wind ließ. Er gab mir ein weißes Pulver, das ich zu Hause in Weißwein auflöste und trank. Anschließend wartete ich mit meiner Frau auf meinem Zimmer, bis sich nach elf Uhr abends endlich was tat, doch war das Resultat so dürftig, daß nur schwer zu sagen war, ob das Mittel nun gewirkt hatte oder nicht.

9.10.1663
Ließ Mr. Holliard melden, daß ich noch immer keinen Stuhlgang habe und auch keinen Wind lassen kann. Er schickte mir zwei Flaschen mit Sirup, eine trank ich gleich, ein ekelhaftes Getränk ohne Wirkung.

10.10.1663
Sir J. Mennes und Sir W. Batten empfahlen mir im Büro Wacholdersaft. Ich trank davon und hatte anschließend einen ausgezeichneten Stuhlgang, auch konnte ich ein oder zwei Fürze lassen. Abends schickte Mr. Holliard eine Walnußmixtur, die ich einnahm und zu Bett ging.

11.10.1663
Aß mit großem Appetit, las abends in Fullers Kirchengeschichte, besonders Cranmers Brief an Königin Elisabeth, der mir sehr gefällt wegen seines Eifers und seiner Kühnheit in religiösen Dingen

12.10.1663
Mußte unbedingt zum Herzog von York. Fragte Mr. Holliard um Rat, er empfahl mir ein Klistier, das mir meine Frau abends verpaßte. Es bestand aus einem halben Liter Starkbier, vier Unzen Zucker und zwei Unzen Butter. Nach zwei Stunden setzte die Wirkung ein: zweimal Stuhlgang und leichtes Pissen; dazu allerhand Wind.

13.10.1663
Große Anstrengung beim Scheißen; nachmittags bereits natürlicher, leichter und fester Stuhl, wofür Gott gedankt sei. Werde in Zukunft folgende Regeln beachten:
1. Warmhalten.
2. Nicht anstrengen beim Stuhlgang.
3. Abführmittel und Klistier rechtzeitig benutzen.
4. Sorgfältig alle Anzeichen der Krankheit beobachten.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 7. März 2005