Aus der Tiermedizin

Volker Kriegel

Bös sieht es aus bei unsern Tieren.
Nichts scheint mehr zu funktionieren.
Schon spricht die «Tierärztliche Zeitung»
(ein Blatt mit spärlicher Verbreitung)
von Grossalarm. Und zwar weltweit! –
Acht Fälle nur aus letzter Zeit:

Dem Wildschwein schmerzt das Raucherbein.
Der Kolibri hat Diphterie.
Dem Blaukopfspecht ist ständig schlecht.
Dasselbe gilt auch für den Hecht.

Der Oktopus hat Darmverschluss
Das Hausrind ist so gut wie blind.
Der Albatros wirkt atemlos.
Der Biber glüht im Fieber.

Kurzum — es es häufen sich die Klagen
bezüglich dieser Art von Plagen.

Nun hat jedoch der Osterhase
seit Jahren Ärger mit der Blase.

Der Tripper peinigt den Giraffen
genauso heftig wie den Affen.

Bei Gürtel- und bei Schuppentieren
versagen häufig beide Nieren.

Es fallen bei der Fledermaus
des öftern Milz und Leber aus.

So ähnlich ist es bei der Qualle.
Andauernd streikt bei ihr die Galle.

Frühmorgens hört man bei den Langusten
ganz deutlich unter Wasser husten.

Sehr typisch ist beim Wiedehopf
der kugelrunde Wasserkopf.

Es leidet – hört man – die Hyäne
von Haus aus ständig an Migräne.

Zum Glück hat man beim Elefant
die Magersucht schon früh erkannt.

Noch nicht einmal der Schlittenhund
ist wirklich einwandfrei gesund.

Geschweige denn der Haubentaucher.
Kein Wunder. Er ist Kettenraucher.

«Ich hab die Fresse voller Pickel»,
stöhnt angeekelt das Karnickel

«Na und?» versetzt das Dromedar,
«viel schlimmer ist mein Darmkatarrh.»



Es liesse sich noch viel berichten.
Noch weitaus üblere Geschichten.

Ich tu es nicht. Dagegen spricht
die tierärztliche Schweigepflicht.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 15. Jan 2001