Deutsche Sprachreinigung

Alan Kirkness (Hrsg)

…: so erklären wir hiermit feierlich die Fremdwörter ihres Bürgerrechts verlustig und weisen sie von unserem deutschen Sprachgebiet zurück. Gegeben am Tage des erwachten Sprach- und Volksbewusstseins, im Hause der deutschen Volkstümlichkeit. Unterzeichnet: der Schutzgeist der deutschen Sprache.

Absolutismus - Unbeschränktherrschafttum
akademisch - hochwiss-, hochkunst-anstaltlich
Akkusativ - Angewirktfall, Angeursachfall
amüsieren - entweilen
Apollo - Wahrsagegötze
April - Wandelmonat
Boudoir - Schmolle-Winkel
Champagne - Lauseland
Deist - Naturgottgläubiger
Diana - Weidinne, Jagdinne
Doktor - Wissmeister
Drama - Unterredungsgedicht
Familie - Hungerleidenschaft
Fenster - Tageleuchter, Lichtpforte
Fortepiano - Drahttonwerk
Frauenkloster - Jungfernzwinger
Genitiv - Geburts-Endung
Hypothese - Wagesatz
individuell - ureigenleblich
Interregnum - Thronledigkeit
Juno - Himmeline
Karte - Spielblatt
Kretin - Kreidling
Landkarte - Landzeichnungsblatt
London - Schiffstadt
Nase - Löschhorn
Nation - Volkheit
Natur - Erdding, Zeugemutter
Omnibus - Allwagen, Allheitfuhrwerk
Paris - Schlammstadt
Person - Selbster
Pistole, Revolver - Sattel - oder Reitpuffer
Polizei - Gewaltei
Post - Sende
Protestant - Verwahrgläubiger
Quintessenz - Fünftelsaft
Religion - Gottvereinleben
Rigorist - Strengling
Sofa - Lotterbrett [r?]
Titel - Nenne
Tugend - Wesenlebheit
Turner - Leibüber
Urne - Leichentopf
Venus - Lustinne, Liebinne, Lachmund
Vice-Roi - Schaltkönig
Zigarre - Rauchrolle

Die folgenden Beispiele sollten die Unsinnigkeit der verseuchten Sätze beweisen:

Man schritt mit System(?) zum heiligen Werke:

Di Nunzeit, das Nun : ich schreibe
Di Danunzeit, das Danun : ich schreibe heute
Di Vorbeinunzeit, das Vorbeinun : ich schrieb
Di Komnunzeit, das Komnun : ich schreibe morgen, oder ich bin einst schreibend
Di Fortzeit, das Fort : ich habe geschriben
Di Nunfortzeit, das Nunfort : ich habe jetst geschriben
Di Eher- oder Früherfortzeit, das Eherfort : ich hatte schon geschriben
Di Komfortzeit, das Komfort : ich sollte oder wollte schreiben
Di Kunft- oder Komzeit : ich werde schreiben
Di Nunkomzeit, das Nunkom : ich werde jetst schreiben
Di Vorbeikomzeit, das Vorbeikom : ich werde dann geschriben haben
Di Kunftkomzeit, das Kunftkom : ich werde schreiben sollen oder wollen

Tonerei, Tonkunst - Musik
Töner - Musikant
tönen - musicieren
Getön, Geton - Einzelmusik
Vorgeton - Overtüre
Angeton - Präludium
Tonung - Concert
tonisch, -lich, -kundig, -liebend, -sam - musikalisch
Tonschule - Conservatorium, Akademie der Musik
Tone - musikalisches Instrument (Voll- oder Blastonen, Streich-, Greif-, Schlag-, Tasttonen)
tondichten, vertonen - componieren
Tondichter, -schöpfer, Vertoner - Componist
Vertonung, Tondichtung, -schöpfung, -gedicht, -werk - Composition
Tonstück - Musikstück
Tonspiel - Oper
Tonkünstler, -meister - Virtuos
Tonlehre, Tonik - Theorie der Musik
Tonbühne, Vorbühne, Tonerraum - Orchester

Einige Auserwählte wurden durch ihre Sendung in noch ganz andere Sphären erhoben, so kam ein C.H. Wolke zum Schluss, dass alle Sprachen auf die Laute des Wortes ‹Wunderhalm› zurückgehen.

Nicht alle Fremdwörter sind auszumerzen:
Endlich können noch gewisse Fremdwörter, auch wenn sie dem Geiste der Deutschen Sprache zuwider sind, beibehalten werden, wenn sie gewisse Laster, Thorheiten, Gebrechen und Krankheiten bezeichnen, denn jedes Volk muß sich Glück wünschen, wenn seine Sprache keine Wörter für solche Begriffe hat, wie z.B. frivol, coquet, Päderastie, Cretin, Petit-Maitre, Hetäre usw.

Dieser Ansicht wurde geteilt:
Wörter wie ‹perfid› soll man nicht übersetzen, da ein solcher Begriff dem deutschen Charakter fremd sei.

Zeitschriften zum Thema gab es auch; z.B.
Die deutsche Eiche. Erste Zeitschrift zur Förderung deutschen Sinnes, deutscher Gesittung und deutscher Reinsprache durch Belehrung und Unterhaltung

All das mit einem hehren Ziel vor Augen:

Den gerechten Zorn des Volkes müssen wir zu erregen, seinen Stolz und sein Selbstgefühl zu wecken suchen, damit es sich beleidigt, gekränkt, verhöhnt erkennt, wenn seine Schreiber und Amtleute es futtern wollen mit der losen Speise fremder Sprache, statt ihm die lautere, gesunde, kräftigende Milch der eigenen zu reichen und durch sie einen tüchtigen, ächten, markigen, edlen Germanen zu erziehen, vor dem die Welt wieder zittert wie vor Jahrhunderten.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 3. Juli 2006