Szenen einer Ehe

Samuel Pepys

15.3.1660
In der ‹Sonne› versprach ich meiner Frau [Elizabeth Pepys], dass sie alles, was ich auf dieser Welt besitze, bekommen soll – mit Ausnahme meiner Bücher –, wenn ich auf See sterbe.

3.4.1660
Schweren Herzens zu Bett, da ich nichts von meiner lieben Frau gehört habe. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass sie mir jemals so gefehlt hat.

17.9.1660
Habe mir die Sachen angesehen, die meine Frau heute gekauft hat. Sehr unzufrieden, da das meiste zu teuer ist. Schlecht gelaunt ins Bett.

4.11.1660
Meine Frau heute sehr niedlich. Hatte ihr zum erstenmal erlaubt, ein schwarzes Schönheitspflästerchen zu tragen.

6.11.1660
Nachts im Bett gerieten meine Frau und ich aneinander, weil ich den Hund in den Keller gesperrt hatte, er verunreinigt das ganze Haus, was ich mir nicht gefallen lasse. Die ganze Nacht Streit.

13.11.1660
Als ich nach Hause kam, probierte meine Frau Pasteten und Törtchen in dem neuen Backofen aus, zum erstenmal. Da sie den Ofen noch nicht gut kennt, waren ihre Sachen ein bisschen angebrannt; nächstes Mal weiss sie Bescheid.

11.3.1661
Als ich nach Hause kam, war meine Frau schon da. Sie hat sich die Zähne neu richten lassen. Sie sind jetzt sehr hübsch, und ich bin sehr zufrieden.

14.4.1661
Zu Vater. Wollte nach dem Abendessen nach Hause, und meine Frau tat so, als wolle sie auch, wollte aber in Wirklichkeit nicht, weshalb ich mißgestimmt alleine ging. Da lief mir aber das arme Ding in Dunkelheit und Regen nach, um mich zurückzuholen, was ihr schließlich auch glückte. Schlief heute zum erstenmal seit acht oder zehn Tagen wieder mit ihr.

18.9.1661
Meine Frau stürzte an einer sehr schlammigen Stelle, verletzte sich aber nicht, wurde nur sehr schmutzig. Nach einiger Zeit wurde sie sehr müde, was mich ärgerte. Das war meine Schuld, ich bin sehr gerne mit ihr zusammen, solange sie munter ist.

1.10.1661
Morgens mit meiner Frau lange im Bett gelegen. Wir kamen auf Musik zu sprechen, sie bat mich, ihr Gesangsstunden geben zu lassen, was ich ihr auch nach kurzem Nachdenken versprach.

27.10.1661
Nachmittags wieder in die Kirche, wo ich mich wegen der altmodischen Trauerkleidung meiner Frau sehr geschämt habe.

19.12.1661
Mit meiner Frau in einer Kutsche nach Hause. Unterwegs kam es zu einem großen Streit, weil mir ihre Bänder geschmacklos erschienen, sie passen farblich nicht zueinander. Im Eifer des Gefechts nannte ich sie (Narr, der ich bin!) eine Hure, was mir sogleich sehr leid tat. Setzte sie zu Hause ab und ging noch in den ‹Delphin›.

1.1.1662
Als ich am Morgen plötzlich aus dem Schlaf auffuhr, schlug ich meine Frau mit dem Ellenbogen quer über Gesicht und Nase, worauf sie mit Schmerzen aufwachte, was mir wiederum leid tat. Danach wieder eingeschlafen.

2.6.1662
Heute zog meine Frau zum erstenmal ihre geschlitzte Weste an, die sehr hübsch aussieht.

27.9.1662
Meine Frau wieder zurück, etwas fetter geworden. Grosse gegenseitige Liebe.

5.10.1662
Meine Frau möchte gerne Tanzstunden nehmen, bin damit einverstanden.

12.11.1662
Schwierigkeiten mit meiner Frau, die unbedingt eine Gesellschafterin haben möchte.

2.12.1662
Krach mit meiner Frau wegen Sarah, der Magd.

6.1.1663
Sehr verärgert, weil meine Frau ihren Schal, ihre Weste und ein Nachthemd in der Kutsche liegen ließ, die uns von Westminster zurückbrachte. Muß allerdings zugeben, daß ich auf die Sachen aufpassen sollte.

9.1.1663
Als ich aufwachte, fing meine Frau mit viel Kummer und Tränen wieder davon an, daß sie eine neue Gesellschafterin brauche. Schließlich ließ sie durch Jane ein Bündel Schriftstücke holen und zog die Abschrift des Briefes hervor, den sie mir vor einiger Zeit in einem Anfall schlechter Laune geschrieben hatte, den ich aber damals nicht las, sondern verbrannte. Diesen Brief las sie nun vor, er war sehr scharf, in Englisch geschrieben, dazu das meiste sehr wahr, von wegen ihres zurückgezogenen Lebens, und wie wenig angenehm das für sie sei. Da der Brief aber in Englisch geschrieben war und die Gefahr bestand, daß er auch von anderen Personen gelesen wurde, regte ich mich sehr auf und befahl ihr, die Abschrift zu zerreißen. Als sie sich weigerte, riß ich ihr den Zettel aus der Hand und zerfetzte ihn, nahm dann auch das ganze Bündel an mich, sprang aus dem Bett und stopfte es in meine Hosentasche, damit sie es mir nicht mehr wegnehmen konnte. Nachdem ich Strümpfe, Hosen und Rock anhatte, nahm ich ein Blatt nach dem anderen heraus und zerriß es vor ihren Augen, obwohl mein Herz dabei blutete, da sie weinte und bat, es nicht zu tun. Aber zu groß waren meine Wut und die Aufregung darüber, daß meine Liebesbriefe an sie und mein Testament, worin ich ihr alles vermacht habe, als ich mit Mylord Sandwich auf See ging, mit diesem Brief zusammenlagen, der so entehrend und schmachvoll für mich gewesen wäre, wenn ihn jemand in die Hände bekommen hätte. Ich zerriß deshalb alles außer einem Schuldschein von Onkel Robert, außer unserem Trauschein und dem ersten Brief, den ich ihr als Verehrer geschrieben hatte, sammelte die Fetzen auf, trug sie in mein Zimmer und verbrannte dort alles. Dann sehr verärgert ins Büro. Wieder nach Hause zum Essen, wo ich während der ganzen Mahlzeit ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Als aber meine Frau von neuem zu schimpfen anfing, wurde ich wieder wütend. Anschließend wieder ins Flottenamt. Abends wieder vertragen, obwohl wir in unserem ganzen Leben noch nie so zornig aufeinander waren wie heute. Glaube deshalb, dieses Herzeleid wird so bald nicht vorüber sein; die Wahrheit ist, daß es mir jetzt leid tut, so viele von meinen Liebesbriefen zerrissen zu haben, die ich von See und anderswoher geschrieben habe.

2.5.1663
Krach mit meiner Frau, nannte sie ‹Bettlerin› und sie mich ‹Läuseknacker›, was mich ärgerte.

12.5.1663
Ein bisschen verärgert über meine Frau, die nur noch an den Tanzmeister denkt, der jetzt zweimal täglich kommt, was ich für eine Torheit halte.

15.5.1663
Als ich, sehr zufrieden mit diesem Besuch, spät nach Hause kam, fand ich meine Frau alleine mit dem Tanzmeister in einem Zimmer, nicht tanzend, sondern auf und ab gehend. Jetzt bin ich so voll tödlicher Eifersucht, daß mir Herz und Kopf rasen und ich nicht mehr arbeiten kann. Schimpfte über alles, ging dann plötzlich ins Bett, konnte aber nicht schlafen und traute mich nicht, etwas zu sagen. Schämte mich auch, wie ich auf alles mögliche achtete, ob meine Frau z. B. heute Unterhosen getragen hat wie immer oder nicht, um meinen Verdacht bestätigt zu sehen; einen richtigen Beweis fand ich aber nicht.

16.5.1663
Bekümmerten Gemüts aufgestanden wegen der Zweifel an meiner Frau, wofür ich Prügel verdiene, wenn es nicht wahr ist, was ich fürchte; vor allem, da ich, weiß Gott, auch kein Muster an Tugendhaftigkeit bin.

20.5.1663
Der Tanzmeister hat mit meiner Frau zu Mittag gegessen, was ihr gar nichts auszumachen scheint – ob das Absicht ist oder die Furcht, mein Mißfallen zu erregen, weiß ich nicht, bin aber sehr nervös.

21.5.1663
Fürchte, daß ich die Herrschaft über meine Frau verliere. Sie hat offenbar keine Freude mehr an mir und gibt sich auch keine Mühe mehr, mir zu gefallen.

26.5.1663
Aus vielerlei Umständen geschlossen, daß zwischen dem Tanzmeister und meiner Frau mehr als gewöhnliche Beziehungen bestehen. Das beunruhigt mich derart, daß ich wie gelähmt bin. Als ich nach Hause kam, fand ich sie beide allein vor, was mich fast wahnsinnig machte. Sah später nach, ob alle Betten in Ordnung waren, fand nichts Verdächtiges.

27.5.1663
Wachte um 3 Uhr auf, ging unter dem Vorwand des Wasserlassens zu meiner Frau und fragte sie, was es mit dem Tanzmeister auf sich habe. Nachdem wir uns eine Stunde lang unterhalten hatten, kam ich zu dem Schluß, daß die Beziehung zwischen den beiden über das Schickliche durchaus hinausgegangen ist, aber keine böse Absicht dahinterstand. Ich streichelte sie, aber sie war sehr aufgeregt und weinte. Abends wurde der Tanzmeister für diesen Monat ausbezahlt. Jetzt ist alles in Ordnung.

29.5.1663
Auf dem Heimweg zweimal durch die Fleet Alley gegangen, um ein paar hübsche Huren zu betrachten, die dort vor ihren Häusern standen. Gott verzeih’ mir’s, aber ich konnte mich kaum davor zurückhalten, mit ihnen in die Häuser zu gehen – so groß ist die Wirkung der Versuchung auf mich.

4.6.1663
Früh aufgestanden, den Frauen zugesehen, wie sie sich auf die Abreise vorbereiteten. Mein Frau zog sich tatsächlich Unterhosen an. Ich habe immer noch den Verdacht, daß sie sich vor der Abreise noch einmal mit Pembleton treffen will.

9.6.1663
Heute war Pembleton wieder bei uns. Meine Frau, Ashwell und er tanzten, ich blieb unten in meinem Zimmer. Aber großer Gott, wie ich an der Türe lauschte und erschrocken war, als ich hörte, daß sie stillstanden und nicht tanzten!

25.6.1663
Bekam heute mittag einen Brief von meiner Frau. Offenbar gefällt es ihr gut auf dem Land; Gott gebe, daß diese Stimmung anhält. Sie wünscht sich einen neuen Unterrock, mit seidenen Streifen. Sofort zur Paternoster Row gegangen und den besten gekauft, den ich finden konnte, und einen viel schöneren, als sie wünscht und erwartet.

30.8.1663
In der Kirche den Tanzmeister gesehen, der gleich wieder umkehrte. Vor Eifersucht brach mir der Schweiß aus, ich dachte, er geht jetzt nach Hause zu meiner Frau. Fand bei meiner Rückkehr aber nichts Verdächtiges.

26.2.1664
Zu Hause bei meiner Rückkehr Onkel Wight vorgefunden – komisch, daß er, wie mir meine Frau berichtet, sie streichelt und hätschelt und sie eigens besucht. Rege mich aber nicht darüber auf, sondern erhoffe mir allerhand Gutes davon.

27.2.1664
Als ich ins Büro ging, kam Bagwells Frau zu mir, um für ihren Mann ein gutes Wort einzulegen. Sie gefiel mir sehr gut, und ich kitzelte sie unterm Kinn, hatte aber nicht den Mut, etwas Unpassendes von ihr zu verlangen, denn sie scheint eine sehr anständige, bescheidene Frau zu sein.

8.3.1664
Aergerlich über meine Frau, die sich den Urin von jungen Hunden ins Gesicht geschmiert hat – wie Tante Wight, die damit etwas gegen ihr hässliches Gesicht tun will.

19.12.1664
Gestern abend zeitig zu Bett gegangen und deshalb schon früh wach. Nachdem ich wegen der Schlampigkeit des Dienstpersonals erst aufschließen und draußen eine Kerze anzünden mußte, war ich sehr wütend und warf meiner Frau vor, das Hauspersonal nicht streng genug zu führen. Als ich darauf nur eine freche Antwort erhielt, schlug ich ihr ins Gesicht und traf sie unmittelbar über dem linken Auge, so daß sie vor Schmerz laut aufschrie. Sie war aber immer noch so kampfeslustig, daß sie mich zu kratzen und zu beißen versuchte. Ich redete besänftigend auf sie ein, bis sie zu weinen aufhörte, ließ Butter und Petersilie bringen, und alles war wieder gut. Danach stand ich auf, wütend auf mich selbst, weil sie den ganzen Tag einen feuchten Wickel über ihrem Auge tragen mußte, das dunkel angeschwollen ist,
Nikolaus Heidelbach: Mrs. Pepys 1664
und alle im Haus es sehen.

2.1.1665
Wollte zu Hause mit meiner Frau vergnügt sein, ärgerte mich aber sehr, weil sie mich mit Absicht und aus reiner Bosheit einen Brief über die Eifersucht von Sir Philip Sidney lesen ließ. In Wahrheit sagte mir die Stimme des Gewissens, daß alles auf mich paßte. Ich verriet aber nichts davon, sondern las frank und frei, aber es schlug mir doch ziemlich auf den Magen.

28.2.1665
Ueberprüfte die Haushaltsrechnungen meiner Frau. Stellte fest, daß 7  Schilling fehlten, worauf es einen gewaltigen Krach gab. Ich gebrauchte starke Worte wie ‹Bettlerin› und beschuldigte auch ihre Freunde, was sie sehr übelnahm und mir ähnliche Vorwürfe machte. Ab und zu kann eine solche kleine Auseinandersetzung gar nicht schaden.

1.2.1665
Heute ist der Tag, an dem ich meiner Frau £20 für Kleidung geben muß, wie ich es ihr versprochen habe. Kann mich nur schwer überwinden, ihr das Geld zu geben, tue es dann aber doch.

13.3.1665
Meine Frau trägt jetzt hellblonde, beinahe weißgefärbte Locken. Sie sieht ganz hübsch darin aus, trotzdem werde ich es nicht zulassen, denn es ist nicht natürlich und ärgert mich.

23.4.1665
Meine Frau zum Gottesdienst in die Kapelle nach Whitehall gebracht und auf der Orgel-Empore plaziert. Ich selbst ging in eine Kneipe, trank und amüsierte mich mit der Wirtstochter. Danach in die Kapelle, hörte den berühmten Stillingfleet predigen […]

9.5.1665
Der Zeichenlehrer meiner Frau blieb zum Mittagessen; der Gedanke, daß meine Frau es auf diesem Gebiet zu etwas bringt, erfreut mich sehr.

9.5.1666
Wütend über meine Frau, die sich darüber ärgert, daß ich mit Mrs. Knipp und Mrs. Pierce unterwegs war, sie nannte sie ‹Huren› und wer weiß was. Abends kam sie in mein Zimmer, mit einem Kolik-Anfall und großen Schmerzen. Ich mußte sie halten, sie flehte mich an, ihr zu vergeben – wir brachten sie dann zu Bett, wo die Schmerzen langsam nachließen; wir aßen etwas Spargel an ihrem Bett und trennten uns in freundlicherer Stimmung.

30.7.1666
Meine Frau ist wütend auf mich, weil ich so viele Mühe auf Mercers Musikunterricht verwende und für sie nur wenig Zeit habe, was ich zugeben muss. Es liegt daran, daß das Mädchen eine natürliche Begabung für Musik hat und sie nicht. In leichter Mißstimmung zu Bett. [Mary Mercer war 1664–6 Elizabeth Pepys’ Gesellschafterin]

12.8.1666
Besprach mit meiner Frau die Einrichtung ihres Zimmers, um die wir uns im nächsten Sommer kümmern wollen, falls wir dann noch leben. Abends in meinem Arbeitszimmer ihre Haushaltsbücher kontrolliert und festgestellt, daß sie ohne meine Erlaubnis ein Spitzentaschentuch und eine Nadel gekauft hat. Obwohl das nicht besonders schlimm ist, möchte ich doch nicht, daß es einreißt. Wir gerieten mächtig aneinander und gingen verfeindet ins Bett.

21.8.1666
Meine Frau war während des Essens sehr schnippisch zu mir, weil ich ihr für den Nachmittagsbummel kein Geld gegeben hatte.

5.12.1666
Abends Ärger mit meiner Frau, weil sie nicht genau aufschreibt, wie oft der Musiklehrer im Haus war. Wütend zu Bett.

25.2.1667
Unterhielt mich lange im Bett mit meiner Frau über frühere Zeiten, wie sie in dem kleinen Stübchen bei Lord Sandwich Feuer machte und meine schmutzige Wäsche wusch, das arme Ding! Dafür werde ich sie immer lieben und bewundern und rede mir ein, sie würde es noch einmal tun, wenn uns Gott wieder in die gleiche Lage bringen würde.

1.3.1667
Versuchte vor dem Essen, mit meiner Frau ein bißchen zu singen. Das arme Ding hat aber ein so miserables Gehör, daß ich ganz wütend wurde, bis sie anfing zu weinen. Ich will aber mehr Geduld mit ihr haben, denn sie ist mir zuliebe sehr willig, und ich bin ihr gegenüber sehr ungerecht.

11.5.1667
Meine Frau hat sich heute weiße Locken aufgesteckt, was mich so in Wut brachte, daß ich furchtbare Flüche ausstieß (was mir Gott verzeihen möge) und die Faust schüttelte. Sie gab mir keine Antwort. Ging ohne Abendessen zu Bett.

12.5.1667
Als ich morgens über meinen Abrechnungen saß, kam meine Frau im Nachthemd zu mir und versprach, in meiner Gegenwart keine weißen Locken mehr zu tragen, wenn ich ihr Geld dafür gäbe, daß sie ihre Trauerkleider mit Spitze besetzen kann. Ich Esel machte Einwendungen, worauf sie zu schimpfen und zu schreien anfing und mir mein Verhältnis zu Mrs. Knipp vorwarf. Sie wolle nur dann keine weißen Locken mehr tragen, wenn ich Mrs. Knipp nie mehr sehen würde (sie hat natürlich mehr Grund zur Eifersucht als ich früher wegen dem Tanzmeister Pembleton).

27.9.1667
Meine Frau ließ mich nach Hause rufen, weil das neue, sehr hübsche Dienstmädchen zur Vorstellung gekommen ist. Sie ist in der Tat sehr attraktiv und könnte, zum Leidwesen meiner Frau, allzuviel von meiner Aufmerksamkeit auf sich lenken.

28.9.1667
Habe nicht sehr viel geschlafen, weil ich ständig an unser kleines hübsches Mädchen denken musste.

15.10.1667
Meine Frau zeigt schon wieder Zeichen der Eifersucht – ich fürchte, das Mädchen wird nicht lange bei uns bleiben.

25.10.1668
Nach dem Abendessen ließ ich mich von Deb [Deborah Willet; 1667–68 Gesellschafterin von Elizabeth Pepys] kämmen, und daraus entstand der größte Kummer, der mir je auf dieser Welt zugestoßen ist. Denn plötzlich kam meine Frau herein, als ich gerade das Mädchen in den Armen hielt und eine Hand unter ihrem Rock hatte; tatsächlich war ich gerade an einer zentralen Stelle. Wir waren beide mächtig verlegen und meine Frau zuerst ganz sprachlos. Sobald sie aber wieder zu sich kam, geriet sie völlig außer Rand und Band. Ich selbst sagte fast gar nichts, sondern ging ins Bett, konnte aber bis zwei Uhr morgens nicht schlafen. Da weckte sie mich und erzählte mir als großes Geheimnis, daß sie eine Katholikin sei und das heilige Sakrament empfangen habe. Mich beunruhigte das, aber ich beachtete sie nicht weiter, sie setzte mir aber weiter kräftig zu wegen der Szene mit Deb. Da ich nicht wußte, wieviel sie gesehen hatte, sagte ich so wenig wie möglich.

26.10.1668
Aufgestanden und nach Whitehall, aber mächtig in Unruhe wegen dem armen Ding, das meine Frau rauswerfen will. Wieder zurück, meine Frau noch immer mißgestimmt und das Mädchen niedergeschlagen. Mitten in der Nacht weckte sie mich und fuhr mich an, sie habe gesehen, wie ich das Mädchen umarmt und geküßt habe. Das letztere stritt ich ab, das andere gab ich zu.

27.10.1668
Als wir zu Bett gehen wollten, packte meine Frau von neuem die Wut, und die ganze Nacht über tobte sie auf unvorstellbare Weise und drohte, sie wolle meine Schande an die Öffentlichkeit bringen. Mit guten Worten und Versprechungen beruhigte ich sie allmählich. Morgens schob ich Deb einen Zettel zu mit einer Nachricht über das, was ich meiner Frau gegenüber zugegeben hatte. Schwebte in größter Angst, bis sie mir sagte, daß sie den Zettel verbrannt habe.

28.10.1668
Habe mit meiner Frau wieder Frieden geschlossen, ein bißchen grollt sie mir aber immer noch.

9.11.1668
Warf Deb einen kleinen Zettel zu mit der Nachricht, daß ich noch immer alles abstreite, sogar, sie geküßt zu haben – sie möge sich entsprechend verhalten. Ich hoffe darauf, daß Gott mir diese Lüge verzeiht, weil er weiß, wie schlimm es für mich wäre, den Ruin dieses Mädchens veranlaßt zu haben.

10.11.1668
Meine Frau tobte heute wie nie zuvor, weil das Mädchen alles gestanden hätte, sogar, daß ich sie unten mit der Hand berührt hätte, was mich sehr beunruhigt, weil ich die Zukunft unter diesen Umständen nicht vorhersehen kann. Sie macht mir die schlimmsten Vorwürfe; ich gebe vieles zu, bin zerknirscht und weine; am Ende waren wir wieder gute Freunde. Als ich gerade eingeschlafen war, weckte sie mich und schrie, sie könne nicht schlafen, und tobte bis gegen Mitternacht.

11.11.1668
Abends, als wir schon eine Weile im Bett lagen, fuhr meine Frau wie eine Wahnsinnige auf und wollte raus, was ich aber nicht zuließ. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, und so ging es die halbe Nacht. Nach viel Kummer, Vorwürfen und kleinen Tobsuchtsanfällen versprach ich nochmals, das Mädchen zu entlassen, worauf wir allmählich zur Ruhe kamen.

13.11.1668
Zum erstenmal seit beinahe 20 Tagen in Ruhe und Frieden geschlafen.

18.11.1668
Meine Frau ist eifersüchtig, wenn ich ausgehe, weil sie Angst hat, ich ginge zu Deb, was ich, Gott verzeih’s, abstritt. Abends fuhr ich nach Lincoln’s Inn Fields, wo sie zu mir in die Kutsche stieg. Ich küßte und umarmte sie und riet ihr, sich mit niemandem außer mir einzulassen, was sie auch versprach. Zu Hause meiner Frau eine schöne Geschichte erzählt, wie ich den Tag verbracht habe, das arme Ding war damit zufrieden oder tat wenigstens so.

19.11.1668
Fand mittags meine Frau traurig im Eßzimmer sitzen. Als ich sie nach dem Grund fragte, nannte sie mich einen Falschen, verdorbenen Schuft und erklärte, sie wisse, daß ich mich gestern mit Deb getroffen habe. Zuerst leugnete ich, weil sie es unmöglich wissen konnte, dann aber gab ich alles zu, um mein Gewissen zu erleichtern. Mußte den ganzen Nachmittag ihre Drohungen, Beteuerungen und Flüche über mich ergehen lassen. Was aber noch schlimmer war: sie schwor, sie wolle dem Mädchen die Nase aufschlitzen und mich noch heute abend für immer verlassen. Wenn ich wollte, daß wir im Frieden auseinandergingen, sollte ich ihr £ 300 oder £ 400 geben, sonst würde sie alles überall weitererzählen. So verbrachte ich in der größten Verwirrung, Sorge, Scham und Todesangst den Nachmittag und glaubte, es würde kein Ende nehmen.
Ich hoffe, Gott wird mir täglich mehr Gnade schenken, ihn zu fürchten und meiner armen Frau treu zu sein.

5.12.1668
Wieder in Sorge wegen meiner Frau, die behauptet, daß ich im Schlaf von Deborah spreche.

1.1.1669
Werde meiner Frau als Neujahrsgeschenk ein Schränkchen aus Walnußholz schenken, sehr hübsch, kostet mich £ 11.

4.1.1669
Bewilligte meiner Frau freiwillig einen Betrag von £ 30 im Jahr für Kleider und dergleichen, worüber sie sich sehr freute, weil es mehr ist, als sie je verlangt oder erwartet hatte.

12.1.1669
Heute abend fiel mir auf, daß meine Frau sehr trübsinnig war. Als ich zu Bett ging, dachte ich wie gewöhnlich, meine Frau würde nachkommen, stellte aber fest, daß sie neue Kerzen und Feuerholz holte, es war sehr kalt. Als ich sie mehrmals bat, doch ins Bett zu kommen, wurde sie plötzlich von einem Wutanfall gepackt, ich sei ein Schuft und betrüge sie. Ich merkte aber, daß sie keinen richtigen Anlaß hatte, erfand bloß eine Situation, in der sie mich in einer geschlossenen Kutsche mit Deb gesehen haben will. Etwa um ein Uhr kam sie an meine Seite des Bettes, riß den Vorhang auf und fuchtelte mit der glühenden Feuerzange, als ob sie mich damit kneifen wollte. Erschrocken sprang ich auf, worauf sie sich nach einigen beruhigenden Worten wieder hinlegte. Nachher plauderten wir noch lange vergnügt, es war nur die Angst, weil ich gestern fort war, ohne ihr etwas zu sagen.

19.4.1669
Meine Frau hat nichts gemerkt von dem, was neuerdings zwischen mir und Deb gewesen ist.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 8. November 2004