Bäsle-Häsle

Wolfgang Amadeus Mozart

[Mannheim, den 5. 11. 1777]

Allerliebstes bäsle häsle!

Ich habe dero mir so werthes schreiben richtig erhalten falten, und daraus ersehen drehen, daß der H: vetter retter, die fr: baaß has, und sie wie, recht wohl auf sind hind; wir sind auch gott lob und danck recht gesund hund. ich habe heüt den brief schief, von meinem Papa haha, auch richtig in meine klauen bekommen strommen. Ich hoffe sie werden auch meinen brief trief, welchen ich ihnen aus Mannheim geschrieben, erhalten haben schaben. desto besser, besser desto! Nun aber etwas gescheüdes.

mir ist sehr leid, daß der H: Prælat Salat schon wieder vom schlag getrofen worden ist fist. doch hoffe ich, mit der hülfe Gottes spottes, wird es von keinen folgen seyn schwein. sie schreiben mir stier, daß sie ihr verbrechen, welches sie mir vor meiner abreise von ogspurg voran haben, halten werden, und das bald kalt; Nu, daß wird mich gewiß reüen. sie schreiben noch ferners, ja, sie lassen sich heraus, sie geben sich blos, sie lassen sich verlauten, sie machen mir zu wissen, sie erklären sich, sie deüten mir an, sie benachrichtigen mir, sie machen mir kund, sie geben deütlich am tage, sie verlangen, sie begehren, sie wünschen, sie wollen, sie mögen, sie befehlen, daß Ich ihnen auch mein Portrait schicken soll schroll. Eh bien, ich werde es ihnen gewis schicken schlicken. Oui, par ma la foi, ich scheiss dir auf d’ nasen, so, rinds dir auf d’koi. appropós. haben sie den spuni cuni fait auch? ––– was? –– ob sie mich noch immer lieb haben –– das glaub ich! desto besser, besser desto! Ja, so geht es auf dieser welt, der eine hat den beutel, der andere hat das geld; mit wem halten sie es? –– mit mir, nicht wahr? –– das glaub ich iezt ists noch ärger. appropós.

möchten sie nicht bald wieder zum H: G o l d-schmid gehen?

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aber was thun dort? –– was? –– nichts! –– um den Spuni Cuni fait fragen halt, sonst weiter nichts. sonst nichts? ––– Nu Nu; schon recht. Es leben alle die, die – die –die ––– wie heist es weiter? –– iezt wünsch ich eine gute nacht, scheissen sie ins beet daß es kracht; schlafens gesund, reckens den arsch zum mund, ich gehe izt nach schlaraffen, und thue ein wenig schlaffen. Morgen werden wir uns gescheüt sprechen brechen. ich sage ihnen eine sache menge zu haben, sie glauben es nicht gar können; aber hören sie morgen es schon werden. leben sie wohl unterdessen, ach Mein arsch brennt mich wie feüer! was muß das nicht bedeüten! –– vielleicht will dreck heraus? – ja ja, dreck, ich kenne dich, sehe dich, und schmecke dich –– und –– was ist das? –– ists möglich! –– ihr götter! –– Mein ohr, betrügst du mich nicht? ––Nein, es ist schon so –– welch langer, trauriger ton! –heut den schreiben fünfte Ich dieses. gestern habe ich mit der gestrengen fr: Churfürstin gesprochen, und Morgen als den 6:ten werde ich in der grossen galla-accademie spiellen; und dann werde ich extra in Cabinet, wie mir die fürstin-chur selbst gesagt hat, wieder spiellen. Nun was recht gescheütes!

1: es wird ein brief, oder es werden briefe an mich in ihre hände kommen, wo ich sie bitte daß –– was? –– ja, kein fuchs ist kein haaß, ja das –– Nun, wo bin ich den geblieben? –– ja, recht, beym kommen; –– ja ja, sie werden kommen –– ja, wer? – wer wird kommen –– ja, izt fällts mir ein. briefe, briefe werden kommen –– aber was für briefe? –– je nu, briefe an mich halt, die bitte ich mir gewis zu schicken; ich werde ihnen schon nachricht geben wo ich von Mannheim weiters hin gehe, iezt Numero 2. ich bitte sie, warum nicht? – ich bitte sie, allerliebster fex, warum nicht? –– daß wenn sie ohnedem an die Mad: Tavernier nach München schreiben, ein Compliment von mir an die 2 Mad:selles freysinger schreiben, warum nicht? –– Curios! warum nicht? –– und die Jüngere, nämlich die frl: Josepha bitte ich halt recht um verzeyhung, warum nicht? – warum sollte ich sie nicht um verzeyhung bitten? –– Curios! – ich wüste nicht warum nicht? –– Ich bitte sie halt recht sehr um verzeyhung, daß ich ihr bishero die versprochene sonata noch nicht geschickt habe, aber ich werde sie, so bald es möglich ist übersenden. warum nicht? –– was –– warum nicht? –– warum soll ich sie nicht schicken? – warum soll ich sie nicht übersenden? –– warum nicht? –– Curios! ich wüste nicht warum nicht? –– Nu, also, diesen gefallen werden sie mir thun; –– warum nicht? –– warum sollen sie mirs nicht thun? –– warum nicht, Curios! ich thue ihnens ja auch, wenn sie wollen, warum nicht? –– warum solle ich es ihnen nicht thun? –– Curios! warum nicht? –– ich wüste nicht warum nicht? –– vergessen sie auch nicht von mir ein Compliment an Papa und Mama von die 2 frl: zu entrichten, denn das ist grob gefehlt, wenn man vatter und Mutter vergessen thut seyn müssen lassen haben. ich werde hernach wenn die Sonata fertig ist, – selbe Ihnen zuschicken, und einen brief darzu; und sie werden die güte haben, selben nach München zu schicken. Nun muß ich schliessen, und das thut mich verdriessen. herr vetter, gehen wir geschwind zum hl: kreüz, und schauen wir ob noch wer auf ist? –– wir halten uns nicht auf, nichts als anleiten, sonst nichts. iezt muß ich ihnen eine trauerige geschichte erzehlen, die sich jezt den augenblick erreignet hat. wie ich an besten an dem brief schreibe, so höre ich etwas auf der gasse. ich höre auf zu schreiben –– stehe auf, gehe zum fenster –– und – höre nichts mehr–– ich seze mich wieder, fange abermahl an zu schreiben –– ich schrelbe kaum 10 worte so höre ich wieder etwas –– ich stehe wieder auf –– wie ich aufstehe, so höre ich nur noch etwas ganz schwach –– aber ich schmecke so was angebrandtes –– wo ich hingehe, so stinckt es. wenn ich zum fenster hinaus sehe so verliert sich der geruch, sehe ich wieder herein, so nimmt der geruch wieder zu – – endlich sagt Meine Mama zu mir: was wette ich, du hast einen gehen lassen? – – ich glaube nicht Mama. ja ja, es ist gewis so. Ich mache die Probe, thue den ersten finger im arsch und dann zur Nase, und –– Ecce Provatum est, die Mama hatte recht. Nun leben sie recht wohl, ich küsse sie 10000mahl und bin wie allzeit der alte junge Sauschwanz

Wolfgang Amadé Rosenkranz.

von uns zwey Reisenden tausend Compli-
menten an H: vetter u. fr: baaß.

an alle meine gute freünd heünt
Meinen gruß fus; addio fex hex.
[gezeichnetes Herz] 333 bis ins grab, wen ichs leben hab.

Miehnnam ned net5 rebotco 7771.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 23. Feb 2003