Herbst / Die letzte Fliege

Kurt Schwitters

Herbst ist es, und die Gardinen sind leer.
Die Fliegen ziehen nach dem warmen Süden.
Herbst ist es, und die Gardinen sind leer.
Ein paar verwaiste Fliegenflecke auf den Augengläsern der Lampe
Erinnern noch an die verflossene goldene Zeit.
Herbst ist es, und die Gardinen sind leer.
Nur eine letzte Fliege singt mir ihr Lied.
Sie hat viel zu tun,
Denn sie muß mir den Lärm der Legionen von Sommerfliegen vortäuschen.
Flieglein,
Süßes,
Umspiele meine Nase mit deinem holden Gezwitscher,
Umsurre mein träumendes Kitzelohr,
Daß es wieder Sommer wird.
Oh du Göttliche,
Jetzt sitzt du auf meiner Nasenspitze.
Heil dir!
Sitze, du Süße,
Wärme dich,
Denn es ist schon kalte Zeit.
Leck von den Brosamen meiner Nase,
Leck dich satt,
Denn ich danke es dir, daß du mich an den Sommer erinnerst.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 15. Mai 2002