Das Käthchen und der Frosch

Wilhelm Busch

Einst war dem Käthchen anbefohlen,
im Walde dürres Holz zu holen.
Da saß an einem Wasser
ein Frosch, ein grüner, nasser;
der quackte ganz unsäglich,
gottsjämmerlich und kläglich:
Weinender Frosch
»Erbarme dich, erbarme dich,
ach, küsse und umarme mich!«

Das Käthchen denkt:
»Ich will’s nur tun,
sonst kann der arme
Frosch nicht ruhn!«
Der erste Kuß
schmeckt recht abscheulich.
Der gräsiggrüne Frosch
wird bläulich.
Der Erste

Der zweite schmeckt schon
etwas besser;
der Frosch wird bunt
und immer größer.

Beim dritten gibt es ein Getöse,
als ob man die Kanonen löse.

Ein hohes Schloß
steigt aus dem Moor,
ein schöner Prinz
steht vor dem Tor.
Er spricht:

Am Ziel

»Lieb Käthchen, du allein
sollst meine
Herzprinzessin sein!«

Nun ist das Käthchen hochbeglückt,
kriegt Kleider schön mit Gold gestickt
und trinkt mit ihrem Prinzgemahl
aus einem goldenen Pokal.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 5. November 2004