Buchanfänge

Flann O’Brien

Ein gutes Buch kann drei völlig verschiedene Anfänge haben, die nur im vorausschauenden Wissen ihres Verfassers zusammenhängen, und mindestens hundertmal so viele Schlüsse.

Beispiele dreier verschiedener Anfänge — der erste: Der Pooka MacPhellimey, ein Angehöriger der teuflischen Zunft, saß in seiner Hütte inmitten eines Tannenwaldes, meditierte über das Wesen der Zahlen und trennte dabei im Geiste die ungeraden von den geraden. Er saß an seinem Diptychon, einem altertümlichen zusammenklappbaren Schreibtisch mit zwei Flügeln und gewachsten Innenseiten. Seine groben Finger mit den langen Nägeln spielten mit einer wohlgerundeten Schnupftabakdose, und durch eine Zahnlücke pfiff er eine artige Kavatine. Er war ein Mann von Welt und stand in hohem Ansehen auf Grund der großzügigen Behandlung, die er seiner Frau, einer der Corrigans von Carlow, angedeihen ließ.

Der zweite Anfang: Mr John Furriskeys Erscheinung war keineswegs außergewöhnlich; trotzdem hatte er eine Eigenschaft, die man nur äußerst selten antreffen dürfte — er wurde nämlich im Alter von fünfundzwanzig Jahren geboren und kam mit einem Gedächtnis zur Welt, aber ohne jede persönliche Erfahrung, die dessen Vorhandensein begründet hätte. Seine Zähne waren wohlgeformt, aber von Tabak verfärbt; zwei Backenzähne waren gefüllt, und im linken Eckzahn drohte ein Loch zu entstehen. Seine physikalischen Kenntnisse waren bescheiden, sie reichten bis zu Boyles Gesetz und dem Parallelogramm der Kräfte.

Der dritte Anfang: Finn Mac Cool war ein Sagenheld Altirlands. Trotz seiner weichen Gemütsart war er ein Mann von stattlichem Wuchs und Körperbau. Seine Schenkel waren so dick wie der Bauch eines Pferdes und verengten sich zu einer Wade, so dick wie ein Fohlenbauch. Dreimal fünfzig Pfleglinge konnten gegen seine breite Kehrseite Handball spielen, die ausladend genug war, um dem Vormarsch von Männern über einen Gebirgspaß Einhalt zu gebieten.

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2007