Ein Feldaltar

Jaroslav Hašek

Der Altar bestand aus drei Teilen, die reich mit einer falschen Vergoldung versehen waren, wie der ganze Ruhm der heiligen Kirche.

Es war auch ohne Phantasie nicht möglich festzustellen, was die auf diese drei Teile gemalten Bilder eigentlich vorstellten. Sicher ist, dass es ein Altar war, den ebensogut irgendwelche Heiden auf Zambesi oder die Schamanen der Burjaten oder Mongolen hätten benützen können.

Mit schreienden Farben versehen, sah er von weitem aus wie eine bunte Tafel, die für die Prüfung der Daltonisten auf der Eisenbahn bestimmt ist.

Nur eine Gestalt trat hervor. Irgendein nackter Mensch mit einem Heiligenschein und grünlich angehauchtem Körper, wie der Steiss einer Gans, die schon stinkt und sich in der Verwesung befindet.

Diesem Heiligen tat niemand etwas zu leide. Im Gegenteil, zu seinen beiden Seiten befanden sich zwei beflügelte Wesen, die Engel vorstellen sollten. Aber der Beschauer hatte den Eindruck, dass der heilige nackte Mann aufbrüllte vor Entsetzen über diese Gesellschaft, die ihn umgab. Die Engel sahen nämlich aus wie Ungetüme aus einem Märchen, ein Mittelding zwischen einer beflügelten wilden Katze und einem apokalyptischen Ungeheuer.

Das Gegenstück zu ihm war ein Bild, das die göttliche Dreifaltigkeit veranschaulichen sollte. An der Taube hatte der Maler im grossen ganzen nichts verderben können. Er hatte irgendeinen Vogel aufgemalt, der ebenso gut eine Taube wie ein weisses Perlhuhn sein konnte.

Dafür jedoch sah Gott Vater aus wie ein Räuber aus dem wilden Westen, den irgendein blutdürstiger Film dem Publikum vorführt.

Der Sohn Gottes dagegen war ein lustiger, junger Mann mit einem hübschen Bäuchlein, das von etwas verhüllt war, das wie Schwimmhosen aussah. Im ganzen machte er den Eindruck eine Sportsmanns. Das Kreuz, das er in den Händen hatte, hielt er mit einer solchen Eleganz, als wärs ein Tennisracket.

Von weitem jedoch verschmolz das alles und erweckte den Eindruck, wie wenn ein Zug in einen Bahnhof einfährt. Aus dem dritten Bild war überhaupt nicht zu entnehmen, was es vorstellen sollte.

Die Soldaten stritten immer darüber und versuchten den Rebus zu lösen. Mancher dachte sogar, dass es eine Landschaft in der Sahara sei.

Es befand sich jedoch darunter die Inschrift: «Heilige Maria, Mutter Gottes erbarme dich unser.»

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 28. Juni 2003