Untergebene & Vorgesetzte

Rober Walser

Mein Bürochef war neulich riesig artig, er sagte mir, ich könne nichts. Durft’ ich mir solches gefallen lassen?

«Ei was», erwiderte ich, «ich kann allerlei, ich kann zum Beispiel abdanken. Ist Ihnen das lieb? Bitte, äussern Sie sich.»

Ihm blieb nichts übrig, als damit einverstanden zu sein. Demnach legte ich meine Tätigkeit nieder, sagte Adieu und empfahl mich.

Anton Čechov

Der Direktor sagte zu mir: «Ich beschäftige Sie nur noch aus Achtung vor Ihrem verehrten Vater, sonst wären Sie bei mir schon längst geflogen.» Ich antwortete ihm: «Sie schmeicheln mir, Euer Exzellenz, wenn Sie annehmen, ich könnte fliegen.» Und dann hörte ich, wie er sagte: «Bringen Sie diesen Herrn raus, er fällt mir auf die Nerven.»

Zwei Tage später wurde ich entlassen.

Jaroslav Hašek

«Und wie hast du gemeutert?» fragte der alte Sapeur Woditschka, indem er den Einjährigfreiwilligen mit Sympathie anblickte.

«Ich wollte nicht die ‹Häusl› auf der Hauptwache reinigen,» erwiderte dieser, «so hat man mich zum Oberst geführt. Und das ist eine feine Sau. Er hat angefangen mich anzuschrein, daß ich angeblich auf Grund des Regimentsrapports eingesperrt bin und daß ich ein gemeiner Arrestant bin, daß er sich überhaupt wundert, daß mich die Erde trägt und nicht aufhört sich zu drehn wegen dieser Schande, daß in der Armee ein Mensch mit dem Einjährigfreiwilligenrecht aufgetaucht ist, der Anspruch auf die Offizierswürde hat, aber mit seinem Benehmen bei seinen Vorgesetzten nur Ekel und Verachtung erwecken kann. Ich hab geantwortet, daß die Rotation der Erdkugel nicht durch das Erscheinen so eines Einjährigfreiwilligen, wie ich es bin, unterbrochen werden kann, daß die Naturgesetze stärker sind als die Einjährigfreiwilligenstreifen und daß ich gerne wissen möchte, wer mich zwingen kann, irgend ein Häusl zu putzen, das ich nicht bemacht hab, obzwar ich drauf ein Recht hätt, nach dieser schweinischen Küche beim Regiment, nach dem verfaulten Kraut und geweichten Schöpsenfleisch. Dann hab ich dem Oberst noch gesagt, daß auch seine Anschauung, warum mich die Erde trägt, bißchen merkwürdig ist, weil doch meinetwegen kein Erdbeben ausbrechen kann. Der Herr Oberst hat während meiner ganzen Rede nichts gemacht als mit den Zähnen geklappert, wie eine Stute, wenn sie gefrorne Rüben auf der Zunge spürt […].»

Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 27. Sep. 2003